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2026-07-14 Arekore Redaktion

Heißluftfritteusen-Hype 2026: 3 Gründe dagegen

Moderner schwarzer Airfryer auf einer hellen Küchenarbeitsplatte in einer minimalistischen, europäisch anmutenden Küche

Kaum ein Küchengerät hat sich in den letzten Jahren so schnell verbreitet wie die Heißluftfritteuse. Laut Marktforschung des Marktforschers NIQ im Auftrag der gfu (Consumer & Home Electronics GmbH) wurden 2025 in Deutschland rund 5,8 Millionen Airfryer verkauft – 2019 waren es noch 1,3 Millionen. Eine YouGov-Erhebung aus demselben Jahr kommt zu dem Ergebnis, dass bereits 42 Prozent der deutschen Haushalte ein Gerät besitzen.

Dieser Artikel nimmt bewusst die Gegenposition ein. Nicht, weil Airfryer schlecht wären – die Testergebnisse der Stiftung Warentest zeigen, dass viele Modelle solide Küchenarbeit leisten. Sondern weil der Hype für einen relevanten Teil der Haushalte am eigenen Bedarf vorbeigeht. Wir nennen drei konkrete, datenbasierte Gründe, unter denen ein Neukauf 2026 keinen echten Mehrwert bringt, und stützen das auf unabhängige Tests, Marktdaten und amazon.de-Preise mit Stand Juli 2026.

TL;DR – das Fazit vorweg

  • Für kleine Portionen und Single-Haushalte lohnt sich ein Airfryer. Für Familien ab vier Personen frisst das begrenzte Fassungsvermögen (meist 4–6 Liter) die versprochene Zeitersparnis durch mehrere Durchgänge wieder auf.
  • Wer bereits einen Backofen mit Air-Fry-Funktion besitzt (z. B. Bosch oder Siemens Serie 8), braucht kein Zusatzgerät. Die eingebaute Funktion leistet laut Herstellerangaben Ähnliches bei deutlich mehr Kapazität.
  • Die Ergebnisse sind kein Ersatz für echtes Frittieren. Selbst Testsieger der Stiftung Warentest erreichen bei bestimmten Lebensmitteln (paniertes Fleisch, Teigwaren) nicht die Textur von Öl-Fritteusen – und PFAS-Bedenken bei Antihaftbeschichtungen bleiben ein ungelöstes Thema der Kategorie.
  • Die ehrliche Alternative: Wer selten frittiert oder bereits ein Umluft-Backofenprogramm nutzt, spart sich Anschaffungskosten und Stellfläche, ohne kulinarisch etwas zu verlieren.

Methodik dieser Analyse

Diese Analyse verdichtet (a) den internationalen Gemeinschaftstest von 20 Heißluftfritteusen der Stiftung Warentest (test.de, Heft 01/2025), (b) deutschsprachige Fach- und Verbraucherquellen zu Energieverbrauch, Kapazität und Beschichtungsfragen (u. a. Utopia.de, BUND-Ökotipp, Küchen-Forum), (c) Markt- und Herstellerdaten (gfu/NIQ HEMIX, YouGov, Statista) sowie (d) amazon.de-Produktdaten und Kundenbewertungen. Die Geräte haben wir nicht selbst getestet; unser Mehrwert liegt in der datenbasierten Einordnung der Frage, für wen sich die Anschaffung nicht lohnt.

Herstellerangaben (etwa Energieeinsparung „bis zu 70 % gegenüber dem Backofen”) sind als solche gekennzeichnet und nicht mit unabhängig gemessenen Werten gleichzusetzen. Preise beziehen sich auf amazon.de zum Zeitpunkt der Erstellung (Stand Juli 2026) und schwanken, insbesondere um Aktionstage.

Technischer Ansatz: Drei Wege, ohne viel Öl zu garen

Bevor die drei Gründe im Detail folgen, lohnt der technische Vergleich der drei Garmethoden, die in diesem Artikel gegenübergestellt werden:

  • Heißluftfritteuse (Airfryer): Ein kompakter Ventilator zirkuliert stark erhitzte Luft (bis ca. 200 °C) in einem engen Garraum um das Gargut. Die geringe Distanz zwischen Heizspirale, Ventilator und Lebensmittel sorgt für sehr kurze Aufheizzeiten (2–3 Minuten) und knusprige Oberflächen bei wenig bis keinem Öl.
  • Backofen mit Air-Fry-Funktion: Nutzt dieselbe Grundidee – zirkulierende Heißluft plus perforiertes Blech –, allerdings in einem deutlich größeren Garraum (Bosch- und Siemens-Einbaubacköfen der Serie 8/iQ700 bieten laut Hersteller je nach Modell 60 bis 71 Liter Volumen). Die Aufheizzeit ist länger (10–15 Minuten), dafür lassen sich ganze Familienportionen in einem Durchgang zubereiten.
  • Klassische Fritteuse (Öl): Erhitzt Speiseöl auf 160–190 °C; das Gargut wird vollständig umspült. Liefert die authentischste „frittierte” Textur, benötigt aber deutlich mehr Öl, längere Aufheizzeiten und aufwendige Reinigung (Ölentsorgung).

Infografik: Vergleich von Heißluftfritteuse, Backofen mit Air Fry und klassischer Fritteuse bei Aufheizzeit, Energieverbrauch, Fassungsvermögen und Reinigung

Der entscheidende Kompromiss: Airfryer gewinnen bei Aufheizzeit, Energieverbrauch pro kleiner Portion und Reinigung – verlieren aber klar beim Fassungsvermögen gegenüber dem Backofen. Genau dieser Punkt treibt den ersten der drei Gründe.

Was die unabhängigen Tests wirklich zeigen

Die Stiftung Warentest hat im internationalen Gemeinschaftstest 20 Heißluftfritteusen geprüft (veröffentlicht Dezember 2024, Heft 01/2025). Die Geräte mussten neben Pommes auch Hähnchenkeulen, Grillgemüse, Aufbackbrötchen und kleine Kuchen zubereiten. Ergebnis: Nur sechs von 20 Modellen erhielten insgesamt das Qualitätsurteil „gut”, der Rest kam über „befriedigend” nicht hinaus. Zur Spitzengruppe zählen der günstigere Cosori CP-Serie (5,5 Liter), der Ninja AF180DE/AF180EU sowie der Gourmetmaxx 13606, alle mit der Note 2,3.

Bemerkenswert am Testergebnis: Ein hoher Preis garantiert keine bessere Leistung. Auch der günstigere Russell Hobbs SatisFry Air & Grill (26520-56) erreichte im Einzeltest der Redaktion testberichte.de die Note 1,4 „sehr gut” – ein Modell im mittleren Preissegment.

GerätKapazitätTestnote / BewertungStärkeSchwäche
Cosori Air Fryer 5,5 L XXL5,5 L„gut” (2,3), Stiftung WarentestGünstig, gute Testnote, spülmaschinenfestKapazität für 4+ Personen knapp
Ninja Air Fryer Max Pro (AF180EU)6,2 L„gut” (2,3), Stiftung WarentestGroße Zieheinheit, hohe Leistung (2000 W)Hoher Stromverbrauch bei Volllast
Philips Airfryer XXL (HD9860/90)7,3 L„sehr gut” (1,2), unabhängiger FachtestSmart Sensing, größte Kapazität im SegmentHoher Anschaffungspreis
Russell Hobbs SatisFry Air & Grill (26520-56)5,5 L„sehr gut” (1,4), Fachtest testberichte.deGrillfunktion zusätzlich, günstigTouch-Bedienung laut Nutzerstimmen gewöhnungsbedürftig
Bosch Serie 8 Einbaubackofen mit Air Fry (HBG7221B2)60 L (Garraum laut Hersteller)Herstellerangabe, kein separater WarentestErsetzt Airfryer bei vorhandenem BackofentauschKein eigenständiges Kleingerät, höhere Anschaffungskosten als Airfryer

Preise und Verfügbarkeit laut amazon.de, Stand Juli 2026. Noten der Stiftung Warentest auf der Skala 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend).

Produktlinks (amazon.de):

Grund 1: Das Fassungsvermögen passt nicht zur Familiengröße

Die meisten Airfryer-Körbe fassen zwischen 3 und 6 Liter – genug für ein bis zwei Portionen Pommes oder Hähnchenteile. Für einen Haushalt mit vier oder mehr Personen bedeutet das in der Praxis: mehrere Durchgänge hintereinander, damit alle gleichzeitig warm essen können. Genau diese Zeitersparnis, mit der Airfryer beworben werden, verpufft dadurch – wer dreimal nachlegen muss, ist am Ende nicht schneller fertig als mit einem großen Blech im Backofen.

Infografik: Typische Korbkapazität von Heißluftfritteusen im Vergleich zum Platzbedarf einer 4-Personen-Familienportion, mit Hinweis auf mehrere nötige Durchgänge

Selbst die XXL-Modelle wie der Philips HD9860/90 mit 7,3 Litern stoßen bei einer kompletten Hähnchen-Mahlzeit für vier Personen an Grenzen, sobald noch Beilagen wie Ofengemüse dazukommen. Ein Backofen mit 60 Litern Garraum verarbeitet dagegen problemlos mehrere Bleche gleichzeitig – ein struktureller Vorteil, den kein noch so leistungsstarkes Tischgerät ausgleichen kann.

Grund 2: Wer schon einen Air-Fry-Backofen hat, braucht kein Zusatzgerät

Seit einigen Jahren bauen Hersteller wie Bosch und Siemens die Air-Fry-Technologie direkt in ihre Einbaubacköfen ein. Bosch bewirbt die Air-Fry-Beheizungsart in der Serie 8 (z. B. Modell HBG7221B2) ausdrücklich damit, dass sie „eine separate Heißluftfritteuse vollständig ersetzt” – bei laut Hersteller sogar größerer Kapazität und Vielseitigkeit als die meisten Tischgeräte. Siemens bietet mit der iQ700-Reihe eine vergleichbare Air-Fry-Beheizungsart an, allerdings ist dort ein spezielles Air-Fry-Backblech als Sonderzubehör nötig.

Wer also ohnehin einen neuen Einbaubackofen plant oder bereits eines dieser Modelle besitzt, kauft mit einem separaten Airfryer ein zweites Gerät für eine Funktion, die technisch bereits vorhanden ist. Das kostet zusätzlichen Stellplatz in der Küche und – bei den Premium-Airfryer-Modellen wie dem Philips HD9860/90 – einen dreistelligen Betrag, der ohne echten Zusatznutzen bleibt.

Grund 3: Ergebnis und Beschichtung sind ein Kompromiss, kein Ersatz

Airfryer erzeugen knusprige Oberflächen, aber laut mehreren deutschsprachigen Verbraucherratgebern (u. a. Utopia.de, plana.de) auf Kosten der Saftigkeit: Lebensmittel können bei zu langer Garzeit austrocknen, während sie im klassischen Backofen mit Umluft eher saftig bleiben. Bei paniertem Fleisch oder Teigwaren erreicht kein Airfryer laut übereinstimmenden Testberichten die Textur einer echten Öl-Fritteuse.

Hinzu kommt eine offene Frage bei der Ausstattung: Die meisten Airfryer-Körbe sind antihaftbeschichtet, und laut einer BUND-Einordnung sowie Recherchen von Utopia.de enthalten viele dieser Beschichtungen PFAS („Ewigkeitschemikalien”), die sich in der Umwelt kaum abbauen. Intakte Beschichtungen gelten nach Experteneinschätzung als nicht akut gesundheitsschädlich – kritisch wird es laut denselben Quellen erst bei stark zerkratzten Oberflächen oder sehr hohen Temperaturen. Wer PFAS vermeiden möchte, muss gezielt nach Modellen mit Keramik- oder Glaskorb suchen; ein pauschales „PFOA-frei” auf der Verpackung ist laut Verbraucherquellen wenig aussagekräftig, da PFOA nur eine einzelne, ohnehin verbotene PFAS-Verbindung betrifft.

Wann sich ein Airfryer trotzdem lohnt

Diese Analyse ist keine pauschale Absage an die Gerätekategorie. Die Stiftung-Warentest-Ergebnisse zeigen, dass gute Modelle für den passenden Anwendungsfall solide Arbeit leisten:

  • 1–2-Personen-Haushalte ohne Air-Fry-Backofen, die häufig kleine Portionen zubereiten, profitieren von kurzer Aufheizzeit und geringem Energieverbrauch pro Portion.
  • Wer Tiefkühlprodukte (Pommes, Nuggets, Gemüse) regelmäßig zubereitet, spart laut Herstellerangaben Zeit gegenüber dem vollständig aufgeheizten Backofen.
  • Wer keinen Umbau der Küche plant und keinen Air-Fry-Backofen anschaffen möchte, bekommt mit einem gut bewerteten Einstiegsmodell wie dem Cosori 5,5-Liter-Modell für unter 100 Euro einen soliden Kompromiss.

Entscheidungsbaum: Brauche ich wirklich einen Airfryer? Verzweigungen nach Haushaltsgröße, vorhandenem Air-Fry-Backofen und Nutzungshäufigkeit

Garantie und Gewährleistung

Für alle genannten Geräte gilt die gesetzliche EU-Gewährleistung von zwei Jahren ab Kaufdatum bei Sach- oder Funktionsmängeln. Zusätzlich gewähren die Hersteller in der Regel eigene Garantien: Cosori und Ninja geben laut Produktangaben zwei Jahre Herstellergarantie auf Kleingeräte, Philips ebenfalls zwei Jahre. Bei Einbaubacköfen wie dem Bosch Serie 8 liegt die Herstellergarantie meist ebenfalls bei zwei Jahren, wobei die Montage durch eine Fachkraft Voraussetzung für den vollen Garantieanspruch sein kann – das sollten Käufer:innen vor der Bestellung beim jeweiligen Händler prüfen.

Grenzen der Analyse

Diese Analyse stützt sich auf öffentlich zugängliche Testberichte, Marktdaten und Herstellerangaben, nicht auf einen eigenen Praxistest der genannten Geräte. Die zitierten Stiftung-Warentest-Noten stammen aus dem Gemeinschaftstest von Dezember 2024; seither können einzelne Modellvarianten (z. B. neue Farboptionen oder Nachfolgemodelle) leicht abweichende technische Daten aufweisen. Die PFAS-Einordnung basiert auf allgemeinen Verbraucherquellen und bezieht sich nicht auf laborgeprüfte Werte einzelner hier genannter Modelle. Individuelle Kochgewohnheiten, Haushaltsgröße und vorhandene Küchenausstattung beeinflussen, ob sich ein Airfryer im Einzelfall lohnt – diese Analyse bildet Tendenzen ab, keine individuelle Kaufempfehlung.


Mehr zu unserer redaktionellen Methodik und wie wir Produkte einordnen: Über Arekore lässt sich jedes hier genannte Produkt vor dem Kauf gegenprüfen.

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